Brennnessel – Heilpflanze bei Rheuma und Harnwegserkrankungen

Die Heilpflanze Brennnessel wird als Tee oder Saft aus dem Kraut und Blättern der Pflanze gegen rheumatische Beschwerden, entzündliche Gelenkerkrankungen, Harnwegsentzündungen und Nierengries angewendet. Extrakte der Brennnessel erleichtern das Wasserlassen bei anfänglichen Prostatabeschwerden und die Beschwerden bei einer Reizblase.

Brennnessel © Thinkstock
Die große Brennnessel erreicht eine Höhe von bis zu 1,5 Meter. Sie ist zweihäusig und trägt die männlichen und weiblichen Blüten auf getrennten Pflanzen. Die kleine Brennnessel wird nur bis zu 45 Zentimeter hoch und jede Pflanze hat sowohl weibliche als auch männliche Blüten. Die Frucht ist ein einsamiges Nüsschen. An Stängel und Blättern besitzt die Brennnessel zahlreiche Brennhaare.

Bei Berührung der frischen Pflanze brechen die kugelförmigen Spitzen der Brennhaare ab, so dass ihr Inhalt (Ameisensäure, biogene Amine und weitere, noch nicht bekannte Substanzen) in der Haut freigesetzt wird. Dies bewirkt das typische Brennen auf der Haut und die Quaddelbildung. Junge Blätter und Triebe besitzen noch keine Brennhaare. Sie können als nährstoffreiches Gemüse oder Salat verzehrt werden. Medizinische Verwendung finden überwiegend Blätter oder Wurzeln.

Deutscher Name: Brennnessel
Botanischer Name: Urtica dioica
Familie: Brennnesselgewächse (Urticaceae)
Blütezeit: zwischen Juli und Oktober
Herkunft: Die große Brennnessel kommt auf der ganzen Welt in gemäßigten Zonen vor. Sie verbreitet sich sehr schnell und steht an Wegrändern, auf Schuttplätzen, an Zäunen und in Gärten.

Anwendungsgebiete von Brennnessel

Brennnessel © ThinkstockBrennnesselpflanze mit Wurzel
Extrakte aus Brennnesselblättern, -kraut bzw. Tee, Saft:
  • rheumatische Beschwerden
  • entzündliche Gelenkerkrankungen
  • entzündliche Erkrankung der ableitenden Harnwege
  • Nierengrieß
Extrakte aus Brennnesselwurzel:
  • Prostatabeschwerden im Stadium I und II: Die Einnahme bessert die Beschwerden beim Wasserlassen. Die Größe der Prostata bleibt unbeeinflusst. Möglich wirksame Inhaltsstoffe sind beta-Sitosterol, Lignane, Polysaccharide und/oder weiterer Substanzen.
  • Reizblase
Innerlich:
Zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, auch zur Behandlung und Vorbeugung von Nierengrieß. Dabei auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Nicht bei Erkrankungen anwenden, bei denen eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr vermieden werden sollte. Die Brennnessel enthält viele verbreitet vorkommende Verbindungen. Die oberirdischen Pflanzenteile sind reich an Mineralsalzen, lösliche Kieselsäure, Aminosäuren, Vitaminen, Carotinoiden und Flavonoiden. Die antirheumatische Wirkung wird auf Caffeoyläpfelsäure zurückgeführt, die entzündungshemmende Eigenschaften besitzt. Diese Substanz kommt nur in der Großen Brennessel vor.

Kosmetik:
Tinkturen äußerlich als Haarwasser zur Pflege der Kopfhaut bei fettigem Haar und Schuppen.

Dosierung und Anwendung von Brennnessel

Tee:
Kraut: 3 bis 4 Teelöffel (etwa 4 Gramm) fein geschnittenes Kraut werden mit 150 Milliliter siedendem Wasser übergossen und nach 10 Minuten Ziehen abgeseiht.
Tagesdosis:. 8-12 Gramm Droge.

Wurzel: 1 Teelöffel zerkleinerte Brennnesselwurzel werden mit kaltem Wasser angesetzt, etwa 1 Minute zum Sieden erhitzt und nach 10 Minuten abgeseiht.
Tagesdosis: 4-6 Gramm Droge.

Äußere Anwendung:
Tinktur/Spiritus (1:10)

Fertigpräparate: Tagesdosis entsprechend 8-12 Gramm Droge

Wirkungen

Brennnesselblätter enthalten zu ein bis zwei Prozent Flavonoide wie Rutin, daneben organische Säuren wie Kaffeoyläpfelsäure, ätherisches Öl, die Vitamine C, B, und K und Steroide. Ferner Mineralien wie Kalium, Kalzium und Kieselsäure.

In den Brennhaaren befinden sich Histamin, Serotonin, Acetylcholin und Scopoletin. Brennnesselwurzel besteht aus Steroiden wie ß-Sitosterol und dessen Glykosiden, Lignanen, Lectinen und Polysacchariden.

Brennnesselfrüchte beinhalten fettes Öl, das einen hohen Anteil an Linolsäure hat, Vitamin E sowie Carotinoide.

Extrakte aus Brennnesselblättern wirken leicht wassetreibend, erhöhen also die Harnausscheidung. Hierfür könnten die Flavonoide und Kalium verantwortlich sein.
Außerdem haben Forscher einen entzündungshemmenden Effekt beschrieben, da die Freisetzung bestimmter pro-entzündlicher Botenstoffe durch den Extrakt unterdrückt wird. Daher hilft Brennnessel zur Durchspülung bei leichten entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, wirkt vorbeugend gegen Nierengrieß sowie unterstützend bei rheumatischen Beschwerden.

Extrakte aus Brennnesselwurzel sollen in den Anfangsstadien einer benignen Prostatahyperplasie, also einer gutartigen Vergrößerung der Vorsteherdrüse, die Beschwerden beim Wasserlassen verbessern. Besonders bewährt hat sich die Kombination mit Sägepalme. Der Effekt macht sich aber erst nach einigen Wochen bemerkbar. Hierfür könnten die hormonähnliche Substanz Beta-Sitosterol, Polysaccharide oder Lectine verantwortlich sein. Die Größe der Prostata wird jedoch nicht beeinflusst. Die Brennnesselfrüchte werden pharmazeutisch nicht genutzt.

Hinweis

Brennnesselwurzel:
Präparate beeinflussen das Wachstum der Prostata nicht. Daher sollte regelmäßig ein Arzt zur Kontrolle aufgesucht werden.

Brennnesselkraut:
Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (keine coffeinhaltigen oder alkoholischen Getränke!) achten.

Nicht anwenden bei Ödemen, die durch Herzschwäche oder Nierenfunktionsstörungen bedingt sind.

Nicht wirksam bei Zuckerkrankheit (Diabetes)!

Brennnessel kann bei empfindlichen Personen zu Überempfindlichkeitsreaktionen oder Magenbeschwerden führen.

Bei Prostatabeschwerden sowie entzündlichen rheumatischen Erkrankungen hilft Brennnessel nur bei leichteren Verlaufsformen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.11.2014
  • Autor/in: vitanet.de
  • Quellen: Heil-Pflanzen Lexikon, H. Braun und D. Frohne, Gustav Fischer Verlag, 6. Aufl., 1994
  • Schwester Bernardines große Naturapotheke, H. Lichtenstein, J. Volak, J. Stodola, Mosaik-Verlag, 1983
  • www.heilpflanzen-katalog.de