Baldrian – Heilpflanze für die Psyche

Die Heilpflanze Baldrian ist bekannt für ihre beruhigende Wirkung. Das ätherische Öl der Baldrianwurzel wird daher gegen Schlafstörungen, nervös bedingte Unruhezustände sowie Angst- und Spannungszustände eingesetzt. Auch bei nervös bedingten Magenschmerzen kommt Baldrian zum Einsatz. Angewendet wird er als Tee, Tinktur Extrakt oder Aufguss bei einem Bad.

blühender Baldrian © Thinkstock
Die Staude erreicht eine Höhe von 50 bis 180 Zenitmeter. Der runde, hohle Stängel ist meist nur in der oberen Hälfte verzweigt. Die Staude trägt hellrosa bis weiße, in rispigen Trugdolden angeordneten Blüten. Die Blätter sind fiederschnittig oder gefiedert und gegenständig angeordnet.

Die frischen Blüten besitzen einen angenehmen Duft. Erst durch das Trocknen entsteht der charakteristische Baldriangeruch. Katzen und Ratten mögen den Geruch, die Menschen eher nicht. Medizinisch verwendet werden die unterirdischen Pflanzenteile.

Deutscher Name
: Baldrian
Botanisch: Valeriana officinalis
Familie: Baldriangewächse (Valerianaceae)
Blütezeit: Mai bis September
Herkunft: Europa und Asien

Anwendungsgebiete von Baldrian

Baldrian © ThinkstockBaldrianpflanze mit Blüten
Der echte Baldrian wurde über die Jahrhunderte bei ganz unterschiedlichen Leiden angewendet. Bei Griechen und Römern galt er als Allheilmittel. Man setzte ihn bei Verdauungsstörungen ein, gut 500 Jahre später bei allen Arten von Augenkrankheiten. Seit Ende des 18. Jahrhunderts nutzten Mediziner Baldrian als Heilpflanze bei Unruhe und Schlafstörungen. Heute gilt der echte Baldrian als mildes beruhigendes und schlafförderndes Mittel, das bei folgenden Indikationen eingesetzt wird:
  • Schlafstörungen
  • nervös bedingte Unruhezustände
  • Angst- und Spannungszustände
  • nervös bedingte Magenbeschwerden
Innerliche Anwendung:
Bei nervös bedingten Unruhezuständen wird Baldrianwurzel über den Tag verteilt genommen, bei Schlafstörungen eine halbe bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen. Eine Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit ist innerhalb der ersten Stunden nach der Einnahme möglich. Baldrianwurzel kann auch mit anderen beruhigend wirkenden Heilpflanzen, wie Hopfen, Melisse und / oder Passionsblume kombiniert werden.

Äußerliche Anwendung:
Bäder mit Baldrianwurzel oder Baldrianöl werden zur unterstützenden Behandlung nervöser Unruhezustände und Schlafstörungen verwendet. Eine Wirksamkeit ist wissenschaftlich allerdings nicht belegt.

Dosierung und Anwendung von Baldrian

Tee:
1 Teelöffel (2-3 Gramm) Baldrianwurzel mit 150 Milliliter siedendem Wasser übergießen und nach 10 bis 15 Minuten abseihen. 1- bis 3-mal täglich und vor dem Schlafengehen eine Tasse trinken.

Tinktur:
1- bis 3-mal täglich anwenden

Extrakte:
Bei Einschlafstörungen 400 bis 900 Milligramm Extrakt eine halbe bis 2 Stunden vor dem Schlafengehen einnehmen. Bei Unruhezuständen 300 bis 450 Milligramm über den Tag verteilt einnehmen.

Äußere Anwendung:
Aufguss von 100 Gramm in 2 Liter heißem Wasser für ein Vollbad. Badetemperatur: 34 bis 37°C, Badedauer: 10 bis 20 Minuten.

Wirkungen von Baldrian

Baldrian-Wurzeln bestehen zu 0,3 bis 0,8% aus ätherischem Öl. Es setzt sich zusammen aus: Monoterpenen (Borneol und Campher), Sesquiterpenen und Beta-Bisabolen. Zu 0,5 bis 2% sind Valepotriate (Valtrat und dessen Abbauprodukt Baldrinal) enthalten. Daneben in geringen Mengen Lignane. Für den charakteristischen Geruch ist ebenfalls ein Abbauprodukt der Valepotriate - die Isovaleriansäure - verantwortlich. Die Zusammensetzung variiert je nach Art, Alter, Herkunft und Wachstumsbedingungen der Pflanze.

Die einschlaffördernden Wirkungen sind wahrscheinlich das Ergebnis des Zusammenspiels der einzelnen Inhaltsstoffe und deren Abbauprodukte. Die Inhaltsstoffe des Extrakts greifen hemmend auf Botenstoffe im Zentralnervensystem ein und wirken dadurch beruhigend sowie einschlaf- und durchschlaffördernd. Die Wirkung bei nervösen Magenbeschwerden ist nicht belegt. Baldrian wird auch bei Angstzuständen wie Prüfungsangst und bei innerer Unruhe sowie Anspannung eingesetzt.

Anwendungshinweise

Während der Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern unter 12 Jahren nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt anwenden, da bisher noch keine Erfahrungen zur Unbedenklichkeit vorliegen. Bei akuten Beschwerden, die trotz Behandlung länger als eine Woche dauern oder periodisch wiederkehren, ist eine Rücksprache mit dem Arzt empfehlenswert.

Zubereitungen aus der Baldrianwurzel werden bei bestimmungsgemäßen Gebrauch in der Regel gut vertragen. Selten sind Magen-Darm-Störungen möglich.

Einfluss auf Reaktionsfähigkeit:
Nach einer abendlichen Einnahme von Baldrianpräparaten ist am darauffolgenden Tag nicht mit einer Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit und der Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder der Bedienung von Maschinen zu rechnen. Eine Herabsetzung der Reaktionsfähigkeit ist in den ersten Stunden nach der Einnahme möglich.

Anwendungsdauer:
Die Effekte von Baldrian treten erst allmählich nach zwei bis vier Wochen ein. Die Unbedenklichkeit einer Langzeitanwendung (über 4 Wochen) ist nicht bekannt. Nach hochdosierter Langzeiteinnahme sollten Baldrianpräparate langsam abgesetzt werden, indem allmählich die Dosis verringert wird.

Wechselwirkungen:
Baldrian sollte nicht zusammen mit anderen Beruhigungs- oder Schlafmitteln und auch nicht mit Alkohol eingenommen werden. Auch vor geplanten Operationen sollten Baldrianpräparate abgesetzt werden, da sie möglicherweise mit den Narkosemitteln interagieren.

Vollbad:

Allgemein sollten keine Vollbäder durchgeführt werden bei: größeren Hautverletzungen, unklaren akuten Hauterkrankungen, schweren fieberhaften und infektiösen Erkrankungen, Herzinsuffizienz oder Hypertonie.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.11.2014
  • Autor/in: vitanet.de
  • Quellen: Heil-Pflanzen Lexikon, H. Braun und D. Frohne, Gustav Fischer Verlag, 6. Aufl., 1994
  • Schwester Bernardines große Naturapotheke, H. Lichtenstein, J. Volak, J. Stodola, Mosaik-Verlag, 1983
  • www.heilpflanzen-katalog.de
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